Am Dienstag, den 28.04.2026 haben wir uns in einer Festsitzung des Stadtrates von Stefan Pöhlmann verabschiedet. Er war 18 Jahre Bürgermeister der Stadt Helmbrechts. Mir wurde die Ehre zuteil, die Laudation zu halten. Sie finden Sie hier zum Nachlesen.
Sehr geehrter Herr Landrat,
liebe Kolleginnen und Kollegen des Stadtrates,
verehrte Ehrengäste, Mitarbeitende der Verwaltung,
sehr geehrte Damen und Herren,
vor allem aber: lieber Stefan,
heute ist ein besonderer Abend für unsere Stadt, für dieses Rathaus und natürlich für Dich persönlich. Es ist soweit: Dein letzter größerer öffentlicher Auftritt als amtierender Bürgermeister. Und wir möchten diesen besonderen Moment nutzen, um Danke zu sagen und Dir unsere allerhöchste Anerkennung und unseren größten Respekt auszusprechen.
Mit Dir, lieber Stefan, verabschieden wir heute einen Bürgermeister, der diese Stadt über mehr als zwei Jahrzehnte geprägt hat – davon 18 Jahre als Erster Bürgermeister. Es gibt volljährige Personen in Helmbrechts, deren Bürgermeister seit ihrer Geburt Stefan Pöhlmann heißt. Drei Wahlperioden, drei Wahlsiege: 53 %, 66 %, 78 %: Diese Zahlen zeigen die enorme Wertschätzung für deine Arbeit und deine Art zu führen:
• Voller Herzblut, aber auch mit hoher Sachkompetenz und Verantwortungsbewusstsein.
• Mit klarer Haltung, aber auch immer Interessen ausgleichend und Perspektiven integrierend.
• Nah an den Leuten, aber kein Jasager, sondern immer mit dem Gefühl fürs große Ganze und gesundem Menschenverstand.
Lieber Stefan: Du hast Dich Tag um Tag mit vollem Einsatz in den Dienst unserer Heimatstadt gestellt und es ist auch richtig viel in dieser Zeit passiert. Alle Projekte aufzuzählen, würde heute den Rahmen sprengen – ich greife deshalb nur einige Highlights heraus.
Kinder und Familien lagen dir immer am Herzen. In deiner Amtszeit sind der Kinderhort, die Kinderkrippen in Wüstenselbitz und in der Jahnstraße sowie die Kindertagesstätte Emilio eröffnet worden. Ein weiterer Kita-Neubau und vor allem das Megaprojekt der Schulsanierung wurden angegangen.
Das Stadtbild hat sich deutlich verändert. Industriebrachen am Bob-Gelände und an der Alten Weberei erhielten neues Leben. In der Innenstadt konnte mit Hilfe der Städtebauförderung und viel privatem Engagement an vielen Stellen neues geschaffen werden. Die Villen Weiss und Pitroff als auch das Seifertsche Haus sind herausragende Beispiele.
Auch in den Ortsteilen hat sich viel getan: die Dorferneuerungen in Edlendorf/Günthersdorf und Kleinschwarzenbach, die umfassenden Kanal- und Straßenarbeiten in Gösmes, das Schulhaus in Ort, das Feuerwehrhaus in Wüstenselbitz. Auch wichtige Schritte für die Dorferneuerung in Enchenreuth hast du noch eingeleitet.
Wirtschaftlich hat sich Helmbrechts über die Jahre hinweg hervorragend entwickelt. Wir profitieren von einer starken, vielfältigen Wirtschaft, die man beim alljährlichen Karrieretreff bestaunen kann. Diese Netzwerke und die Unterstützung unserer Unternehmen, Betriebe, Händler und Dienstleister wird in den nächsten Jahren eine zentrale Aufgabe bleiben.
Das Ehrenamt – ob Blaulicht, Sport, Geselligkeit, Natur oder Jugendarbeit – war dir immer besonders wichtig. Die Vereinsförderung wurde ausgebaut, Feuerwehrhäuser errichtet, neue Fahrzeuge angeschafft und zahlreiche Aktionen unterstützt. Dieses Engagement hast du auch in Sachen Kultur an den Tag gelegt. Seit 2004 gibt es die Kulturwelten, die du stets gefördert hast. Sie sind nun ein Aushängeschild weit über die Stadt- und Landkreisgrenzen hinaus.
Traditionen waren dir ebenso wichtig, wie der Sinn für Neues, für Innovatives, für Experimente. Ab deinem Amtsantritt hast du die Beteiligung junger Menschen unterstützt. Ergebnisse sind das Filmwerk, der Jugendstadtrat und viele weitere Aktionen. Erwähnenswert sind an dieser Stelle auch der Spielplatz an der Alten Weberei oder die Baumhauslodges, in denen in wenigen Monaten hoffentlich die ersten Gäste beherbergt werden. Dies ist ein wichtiger Impuls für die weitere Entwicklung am Kirchberg und vor allem für die Gaststätte.
Ich könnte noch viel mehr aufzählen. Nicht mal die 5teilige Serie von Dieter Ziegelmüller in unserem HSL Aktuell hat gereicht, um alle Projekte in den 18 Jahren unterzubringen.
Nein, Du warst nie ein Bürgermeister, der nur verwalten wollte. Du hast gestaltet. Du hast dein Bürgermeisteramt dabei nie als One-Man-Show verstanden, sondern als Teamleistung. Du hast es immer geschafft, im Stadtrat die notwendigen Mehrheiten zu finden. Und wenn man zurückdenkt, so waren es doch fast immer einstimmige Entscheidungen. Die überparteiliche Zusammenarbeit war dir immer wichtig und es wurde meist ein Kompromiss gefunden. Dazu gehört natürlich auch das engagierte Team in der Stadtverwaltung und im Bauhof, das du über 18 Jahre geführt hast. Ich war in den letzten Wochen ja oft im Rathaus – und man spürt die hohe Wertschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihren Chef, ihren Stefan: einen Menschen, der klar, kompetent und menschlich führt.
In 18 Jahren Bürgermeisteramt begleitet man Menschen in allen Lebenslagen – bei schönen Anlässen wie Hochzeiten und Jubiläen, bei Erfolgen durch Preise und Urkunden, aber auch in schweren Stunden – zum Beispiel, als unser Ehrenbürger und dein langjähriger Wegbegleiter Klaus Wolfrum verstarb. Ja, du warst ein nahbarer Bürgermeister. Einer, der das Gespräch gesucht hat und einer, der ansprechbar war. Einer, der die Menschen ernst genommen hat. Und einer, der wusste, dass gute Politik nicht im Rathaus beginnt und endet, sondern mitten im Leben der Bürgerinnen und Bürger. Das zeugt von deiner Bodenständigkeit, von Verlässlichkeit und der tiefen Verbundenheit zu Helmbrechts und seinen Menschen.
Verantwortung war für dich nie Privileg, sondern Verpflichtung. Gerade in Zeiten, in denen kommunale Aufgaben immer komplexer werden, in denen Erwartungen steigen und finanzielle Spielräume enger werden, war das keine leichte Aufgabe. Umso bemerkenswerter ist es, mit welcher Ruhe, mit welcher Ausdauer und Beharrlichkeit du dein Amt bis zum letzten Tag ausgeübt hast. Viele Bürgerinnen und Bürger haben das gespürt. Sie wussten: Da ist jemand, der sich kümmert, der sich einsetzt, dem die Stadt wirklich am Herzen liegt. Und da ist jemand, der Haltung hat.
Deine Haltung war und ist eine zutiefst demokratische. Über all die Jahre hinweg hast du immer wieder deutlich gemacht, wie wichtig dir unsere Demokratie, das Zusammenleben der Menschen, Toleranz und Respekt sind. Das hast du nicht nur getan, wenn es gerade wohlfeil war, sondern gerade in einer Zeit, in der diese Werte immer wieder von Menschen und Gruppierungen angegriffen wurden und werden. Diese demokratische Haltung zeigt auch deine Entscheidung, nicht mehr zu kandidieren und einen Generationswechsel einzuleiten: „Es ist vor allem ein Amt auf Zeit und keine Lebensaufgabe.“ So wirst du im HSL Aktuell zitiert. Das zeigt den Respekt vor dem Amt und das Zurücknehmen der eigenen Bedeutung. Wenn es mehr Menschen auf der Welt gäbe, die demokratische Werte so verinnerlicht haben wie Du – die Welt wäre eine bessere.
Deine Überzeugung zeigt sich auch in der Art und Weise, wie du den Amtsübergang organisierst. Geräuschlos, respektvoll, verlässlich. Seit einigen Wochen gibt es uns fast nur noch im Doppelpack. Das ist bei weitem nicht selbstverständlich, wie ich von anderen neuen Kolleginnen und Kollegen mitbekommen habe. Es entstehen dabei durchaus auch witzige Situationen – etwa als eine Frau in der Kirche mich für deinen Sohn hielt; du den Anwesenden in der Versammlung augenzwinkernd sagst, du wärst nur mein Fahrer oder ich mich als deinen Praktikanten ausgebe.
Lieber Stefan, Du hast den Wechsel an der Spitze unserer Stadt nicht dem Zufall überlassen. Du hast ihn verantwortungsvoll, umsichtig und mit großer Fairness vorbereitet. Du hast geordnet übergeben (von der ein oder anderen Kiste vielleicht abgesehen), Wissen weitergegeben, Türen geöffnet und Brücken gebaut. Das ist keineswegs selbstverständlich. Wer ein Amt mit Größe führt, erkennt auch den richtigen Zeitpunkt, Verantwortung weiterzugeben. Genau das hast du getan. Dafür bin ich dir persönlich sehr dankbar. Als Nachfolger finde ich ein festes Fundament, ein geordnetes Haus, eine gut aufgestellte Stadtverwaltung und viele Chancen auf Zukunft vor. Das ist auch dein Verdienst.
Bitte erlauben Sie mir an dieser Stelle ein paar persönliche Worte: Uns verbindet nicht nur die kommunalpolitische Zusammenarbeit. Uns verbindet gegenseitige Wertschätzung, Vertrauen und Freundschaft. Ich habe in den vergangenen Jahren erlebt, mit welcher Loyalität, mit welchem Rat und mit welcher Offenheit du mir begegnet bist. Das schätze ich sehr. Freundschaft zeigt sich oft nicht in großen Worten, sondern in Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und Respekt. Dafür stehst du.
Lieber Stefan, du hinterlässt Spuren – nicht nur in Aktenordnern, nicht nur in Bauwerken, nicht nur in Ratsbeschlüssen. Du hinterlässt Spuren in den Herzen vieler Menschen, die dich als Bürgermeister erlebt haben.
Und ich bin sicher: Ganz loslassen wird dich Helmbrechts nie. Dafür schlägt dein Herz zu sehr für diese Stadt. Außerdem wirst du ja auch im Stadtrat weiterhin mitwirken, die nächste Sitzung kommt bestimmt.
Im Namen des Stadtrates und ganz persönlich danke ich dir von Herzen für 18 Jahre engagierten Dienst an unserer Stadt als Bürgermeister und vorher weitere 6 Jahre als 3. Bürgermeister und Stadtrat. Und wer Verantwortung über so viele Jahre trägt, der bringt Opfer. Zeit, Kraft, persönliche Freiräume – all das bleibt oft auf der Strecke. Öffentliche Verantwortung endet nicht um 17 Uhr. Sie begleitet einen auch abends, am Wochenende, im Urlaub und oft auch in schlaflosen Nächten. Deshalb gilt unser Dank heute ausdrücklich auch deiner Familie, die diesen Weg mitgetragen und unterstützt hat - ganz besonders natürlich deiner Frau Christine, aber auch deinen Kindern Emma, Hannes und Anna sowie deiner Mutter Linda. Liebe Christine: Deine ausgleichende, ruhige Art hat mit Sicherheit zum Erfolg dieser langen Amtszeit beigetragen. Ich wünsche Dir nun viel Geduld mit deinem Mann, der nun mehr Zeit zu zuhause verbringen wird.
Für eure Zukunft wünschen wir euch vor allem Gesundheit, Zeit für all das, was im Amt manchmal zu kurz gekommen ist, viele schöne Momente mit der Familie und die Gewissheit, dass die jahrelange intensive Arbeit geschätzt wird. Und das soll auch unser Geschenk ausdrücken, das die drei Fraktionen im Stadtrat Dir und euch gemeinsam überreichen wollen. Es verbindet eure Interessen mit eurer Familie. Es warten verschiedene kulturelle und kulinarische Highlights in den drei Wahlheimaten eurer Kinder: Berlin, Aschaffenburg, Regensburg. Dazu kommt das Hofer Theater und ein Saunagutschein. Der darf bei jemandem, der selbst im Hochsommer in die Sauna geht, natürlich nicht fehlen.
Lieber Stefan, ein ganz besonderer Moment in deiner Amtszeit war sicherlich die 600-Jahr-Feier in unserer Göbelhalle. Für besondere Gänsehaut sorgte dabei das Musical, das Gerd Koppitz eigens zu diesem Anlass komponiert hat. Ich finde, zum heutigen Anlass und in die heutige Zeit passt diese Friedens-Hymne für unsere Stadt hervorragend. Deswegen darf ich nun gleich im Anschluss an Gerd Koppitz und Ludger Arens übergeben und alle anwesenden bitten, mitzusingen. Den Text finden Sie auf Ihren Programmblättern.
Doch zuvor möchte ich nochmals betonen: Lieber Stefan, du warst ein herausragender Bürgermeister.
Helmbrechts sagt Danke.
Alles Gute.
Dieser Applaus gehört dir.